Eine Kuration von Raffaella Nobili, Owner and curator bei Paraventi Giapponesi – Der Körper bewahrt, was der Geist vergisst; er ist ein Archiv von Gesten, Schriften, Erinnerungen und Schweigen. Er ist nicht bloß Stütze, sondern Wirken, eine aktive Präsenz, die in der Welt wirkt und sie transformiert. Jeder Körper ist historisch und kulturell verortet, durchdrungen von sozialen, affektiven und politischen Kräften, die sich wie Schichten der Erinnerung ablagern. In manchen Werken, wie denen von Deborah Lang, ist die Figur in den Text eingeschrieben, als ob das Fleisch aus den Seiten des Wortes wiederaufstiege; bei Juca Márlon wird die Haut zur emotionalen Oberfläche, zum Feld für die Einschreibung von Erfahrung. Diese Spannung zwischen Körper und Zeichen findet ein Vorbild bei Shirin Neshat, die in ihrer Serie „Women of Allah“ (1990er Jahre) die weibliche Haut in ein Gebiet der Identität und des Widerstands verwandelt. Ein lyrisches Echo dieser Poetik findet sich auch in Peter Greenaways „Das Kopfkissenbuch“ (1996), inspiriert von Sei Shōnagons Tagebuch. Hier wird das Schreiben auf dem Körper zu einem erotischen und rituellen Akt, zu einer lebendigen Erinnerung des Selbst. In diesen Werken repräsentiert der Körper nicht nur, sondern agiert auch, sammelt und gibt Emotionen, Geschichten und Sehnsüchte zurück und offenbart so seine Zugehörigkeit zu Zeit und Ort.
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