Eine Frau steht bis zur Taille im dunklen See, das nasse Haar an die Haut geheftet, das helle Hemd schwer vom Wasser. Über ihren Augen liegt eine Binde – nicht als Accessoire, sondern als Zustand. Hinter ihr stapeln sich Berge und Wolkenfronten zu einer Bühne aus Druck und Schweigen. Die Oberfläche kringelt sich um den Körper wie ein leiser Kreis aus Zeit: jeder Atem ein Echo, jede Welle ein Urteil. Blindheit ist Selbst-Erzählung. Wenn Justitia die… Binde trägt, verliert sie nicht nur den Blick – sie verliert die Tiefe, in die jedes Urteil fällt. So wird das Wasser zur Grenze: Reinigung und Gefahr zugleich. Das Bild hält den Moment, in dem Standhaftigkeit und Ausgeliefertsein ununterscheidbar werden – und der Abgrund dort beginnt, wo man ihn nicht mehr erkennt.
Joachim Bergauer ist ein international ausgezeichneter Bildautor mit einem vielschichtigen, ausgereiften Stil zwischen zeitgenössischer Kunst und Modefotografie. Als surrealistischer Visionär mit klassischer Ausbildung in bildender Kunst versteht er es, Fotografie und Grafikdesign zu einzigartigen Werken zu verschmelzen. Seine minimalistischen Farb- und Schwarzweißkompositionen erinnern an die großen Kunstströmungen des 20. Jahrhunderts, beeinflusst von Fauvismus, Konzeptkunst und Minimalismus.Bergauer experimentiert mit neuen ästhetischen Konzepten, lotet Grenzen aus und schafft Werke von großer innerer Kraft. Farbe und Form werden bei ihm zu Trägern von Emotion und Bedeutung – grafisch klar, metaphorisch verdichtet, stilistisch pointiert. Seine Bildsprache verbindet avantgardistische Ansätze mit harmonisch ausgewogenen Kompositionen.Mit über 100 internationalen Auszeichnungen – darunter „Photographer of the Year“ (Japan) – zählt Joachim Bergauer zu den europäischen Spitzenfotografen.