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Stumme Worte
Am Anfang dieser Reihe steht die Erfindung unleserlicher Schriftzeichen und neuer kalligrafischer Instrumente, die speziell für die Darstellung dieser Symbole entwickelt wurden. Jedes Werk ist nach dem Hauptinstrument benannt, mit dem es geschrieben wurde.
Diese neuen kalligrafischen Werkzeuge sind in ihrer Funktion bekannten Federn, Bleistiften und Markern nachempfunden, wurden aber für das Schreiben mit Sand, Pigmenten oder Flüssigkeiten… neu konzipiert. Das Schreibritual reduziert sich auf wenige grundlegende Materialien und Handlungen, die auf der Bildebene in einem einzigartigen Experiment mit Schwerkraft und Geschwindigkeit der ausgeführten Gesten zusammenlaufen. Die Spuren dieses Prozesses bilden das Bild.
Lucas Stolz (*1985 in Basel, Schweiz) versteht Kalligrafie als malerischen Akt. Schreiben als Entwicklungsprozess von Bildern, in dem sich Wörter auflösen, Zeichen als Spuren eines schreibenden Körpers, der zugleich malen könnte.
In seiner Arbeit erforscht er vier grundlegende Ebenen der Handschrift: die Erfindung und Transformation von Zeichen; das kontinuierliche Schreiben, das durch Wiederholung die Menschheit sichtbar macht; die Entwicklung von individuellen Schreibwerkzeugen, die den Strich formen; und die Analyse und Wiederverwendung von Materialien aus Schriftkulturen, was zu Experimenten mit Sand, Pigmenten und Holz führt.
Der Künstler entwickelt eigenwillige, fast trotzige Werkzeuge und Techniken. Sie erfordern körperliche Anstrengung, verzerren, zerhacken und vervielfachen den Strich – und verleihen ihm so Charakter. Dieser Prozess wirft die Frage nach der Urheberschaft auf: Wer schreibt hier – die Hand, das Werkzeug oder die Oberfläche?