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Der Titel Rouge et noir weckt unweigerlich Assoziationen mit Stendhal, doch in Ihrem Werk hat dieser Bezug eher eine strukturelle als eine literarische Funktion.
In Stendhals Werk repräsentieren Rot und Schwarz zwei gegensätzliche Kräfte: Leidenschaft und Vernunft, Begehren und Ordnung, Leben und System. In Ihrer Komposition werden diese Spannungen in reine Form übersetzt. Das rote Quadrat und der schwarze Kreis sind elementare, autonome Einheiten,… jede definiert durch einen Mangel, der theoretisch von der anderen ausgeglichen werden kann. Dennoch fallen sie nicht zusammen.
Der Bezug auf „Rot und Schwarz“ verstärkt somit die Interpretation einer grundlegenden Dualität: zwei Pole, die einander bedingen, sich aber nicht vereinen. Wie bei Stendhal bleibt die Spannung bestehen – nicht als narrativer Konflikt, sondern als formale Bedingung. Die Bedeutung liegt nicht in der Vereinigung, sondern in der unüberbrückbaren Distanz zwischen komplementären Teilen.
Gerahmt mit Kunstglas
Herman Van Synghel, ein erfahrener Grafiker mit Hintergrund in Grafikdesign und langjähriger Lehrerfahrung, arbeitet vorwiegend mit Radierung, Siebdruck und Linolschnitt. Seine Werke zeichnen sich durch eine strenge, minimalistische Formensprache aus, die geometrische Formen – Kreise, Quadrate, schwarze Flächen – in den Vordergrund rückt. Diese werden mit konzeptueller Präzision erforscht, die das subtile Spannungsverhältnis zwischen Struktur und Intuition auslotet. Durch symbolische Reduktion und poetische Bildsprache regt er zu tiefgründigen Betrachtungen über Erinnerung, Zeit und die Dualität des Daseins an und lädt den Betrachter zu einem Zustand der Präsenz und Kontemplation ein, anstatt ihn zu einer unmittelbaren Interpretation zu verleiten.