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Das Werk hat die Größe einer klassischen SX70 Polaroid-Kamera, einem Medium, das traditionell mit direkter Aufzeichnung und unmittelbarer Präsenz assoziiert wird. Hier ist jedoch auf den ersten Blick nichts zu erkennen. Erst bei näherer Betrachtung offenbart sich eine minimalistische Konfiguration: ein Kreis mit einer rechteckigen Vertiefung und ein Rechteck mit einem kreisförmigen Spalt.
Die Formen suggerieren Komplementarität. Sie scheinen wie… geschaffen, zusammenzupassen, eine Einheit zu bilden. Doch das geschieht nicht. Sie existieren weiterhin nebeneinander, jede definiert durch das, was fehlt. Was die eine besitzt, fehlt der anderen – und genau das verhindert ihre Vereinigung.
Das Bild besteht nicht aus Präsenz, sondern aus Mangel. Nicht aus Linie oder Farbe, sondern aus Verschiebung und Zurückweichen. Unfähigkeit offenbart somit, wie Form und Bedeutung aus dem Fehlenden entstehen können – und wie selbst vollkommene Komplementarität keine Garantie für Übereinstimmung ist.
Gerahmt mit Kunstglas
Herman Van Synghel, ein erfahrener Grafiker mit Hintergrund in Grafikdesign und langjähriger Lehrerfahrung, arbeitet vorwiegend mit Radierung, Siebdruck und Linolschnitt. Seine Werke zeichnen sich durch eine strenge, minimalistische Formensprache aus, die geometrische Formen – Kreise, Quadrate, schwarze Flächen – in den Vordergrund rückt. Diese werden mit konzeptueller Präzision erforscht, die das subtile Spannungsverhältnis zwischen Struktur und Intuition auslotet. Durch symbolische Reduktion und poetische Bildsprache regt er zu tiefgründigen Betrachtungen über Erinnerung, Zeit und die Dualität des Daseins an und lädt den Betrachter zu einem Zustand der Präsenz und Kontemplation ein, anstatt ihn zu einer unmittelbaren Interpretation zu verleiten.